Alter der Kinder

GESCHICHTE

Historisches und Histörchen

Lange vor den ersten Kurgästen lagerten ganz oben im Simmental schon steinzeitliche Jäger. Auch die Walliser Nachbarn suchten hier ihr Glück. Das Thermalwasser in Weissenburg wurde ab 1604 vermarktet. An der Lenk kurte die noble Gesellschaft ab 1686. Um 1900 zählte man 250 Gästebetten, vorwiegend für den Sommertourismus. Bald kamen die ersten Wintersportgäste.

Tauchen Sie ein in die Geschichte des Simmentals und erfahren Sie mehr über Orte und Menschen in der Region. Kleine Ausflüge in die Welt der Sagen gehören auch dazu.

Ganz wichtig: Es heisst «an der Lenk»!

Die Lenk ist etymologisch aus der Umformung von «An der langen Egg», «lange Ecke», «Die Langeck», zusammengezogen «Die Läng’k», frz. «la Lenk» entstanden. Soweit die Ergebnisse moderner sprachwissenschaftlicher Forschung. Deshalb «an die Lenk»!

Weissenburg

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Wo der Hochadel kurte

Oberhalb von Weissenburg entspringt aus einem Felsenschlund eine Thermalquelle. Über sagenhafte 350 Jahre war das Weissenburgbad anerkannter Kurort. Der Rat von Bern finanzierte im Jahre 1604 eine Quellfassung, liess ein Badehaus bauen und stellte einen Bademeister ein. Um dem Andrang der Heilungssuchenden gerecht zu werden, wurde 1875 das vordere Bad- und Kurhaus gebaut. Das Weissenburgbad hatte zu dieser Zeit bis zu 300 Betten und entwickelte sich zum Treffpunkt des europäischen Hochadels. Als 1938 die holländische Königin Wilhelmine mit ihrer Tochter dort zur Kur weilte und sich Prinzessin Juliana während des Aufenthalts mit Prinz Bernhard verlobte, zog das Gäste aus aller Welt an.

Der Lindwurm im Ried

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Friedhof im Ried, St. Stephan

Beim Friedhof im Ried, bei der Kirche in St. Stephan, fliesst ein Bächlein aus dem Boden. Gewöhnlich ist das Wasser klar und sauber, doch ab und zu fliesst es ganz milchig und schäumend. Dann jeweils sagen die älteren Leute, dass sich der Lindwurm drinnen im Berg wiederum wurme und drehe.

Nach einer alten Sage habe nämlich zu früherer Zeit ein riesiger Lindwurm sein furchtbares Unwesen getrieben und Verwüstungen an Kulturland, Menschen und Tieren verursacht. Die Bewohner wussten sich nicht mehr zu helfen und sind schlussendlich verarmt. Gebändigt werden konnte das Untier erst durch Stephanus, einer der wenigen Christen der thebäischen Legion, welcher dem Blutbad von St. Maurice entgehen konnte und in unser Tal flüchtete. Er hat hier der noch heidnischen Bevölkerung das Christentum nähergebracht.

Am Ort wo der Lindwurm seine Höhle hatte, wurde dann die Kirche von St. Stephan gebaut. Man sagt, wenn das Kreuz auf dem Kirchturm im Ried nicht mehr auf dem Dach stünde, würde der Drachen wiederum hervorkommen und das Elend wäre wieder da.

Very british

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Der Beginn des Wintersportes an der Lenk

Die Briten gelten als die Pioniere des Schweizer Tourismus. Auch an der Lenk hatten die Engländer prägenden Einfluss auf die Entwicklung des Fremdenverkehrs. Sie waren es auch, die dem Wintersport an der Lenk zum Durchbruch verhalfen und die Erstellung der ersten Transportanlage – des berühmten „Funis“ – initiierten. Nebst vielen Briten verbrachte auch Feldmarschall Viscount Montgomery of Alamein, der Oberkommandierende der alliierten Landstreitkräfte im 2. Weltkrieg, mehrere Winterferien an der Lenk.

Verheerende Feuersbrunst

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Der Dorfbrand von Lenk 1878

Wie die meisten Oberländer Dörfer war auch die Lenk im 19. Jahrhundert Schauplatz und Opfer einer verheerenden Feuersbrunst. Das Feuer entfachte sich infolge eines Konstruktionsfehlers am Kamin in einer Bäckerei. Angefacht von einem heftigen, trockenen Nordostwind, ergriff das Feuer im Nu das ganze Dorfzentrum samt der Kirche. Da sich ein grosser Teil der Bevölkerung der Gemeinde weit umher zerstreut auf den Bergen und Heuwiesen befand, waren nur wenige vor Ort, um bei den Löscharbeiten zu helfen.

Die Solidarität der gerade an der Lenk weilenden Kurgäste und auch weit über die Gemeindegrenze hinaus gegenüber den Brandbeschädigten war sehr gross. Das örtliche „Hülfskomite“ durfte grosse Ladungen an Naturalgaben oder Bargeld entgegennehmen und verteilen.

Wyberschlacht

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Kluge Knaben und wehrhafte Frauen

Als die wehrfähigen Lenker-Männer in den Glaubenskrieg zogen, rückten die feindlichen Wallliser über den Rawilpass und raubten den Lenkern auf der Langermatte das Vieh. Jenseits des Passes liessen die Walliser das geraubte Vieh ruhig weiden und sprachen tüchtig dem Fendant zu. Mit viel List gelang es den klugen Lenker-Knaben, die Tiere wieder an die Lenk zu treiben.

Als die Walliser dies bemerkten, machten sie sich in kriegerischer Absicht zurück an die Lenk. Mutig griffen die Lenker, vor allem die Frauen, die heranziehenden Walliser an und schlugen sie in die Flucht. Noch heute erinnert Kunkel und Schwert im Lenker Gemeindewappen an die „Wyberschlacht“ auf der Langermatte.

Die Geschichte des Tourismus an
der Lenk

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Wichtige Ereignisse

Als Christen Perreten 1689 von der Berner Obrigkeit die Erlaubnis zum Betreiben eines Bades erhielt, wusste wohl noch niemand, dass die Balmquelle die bedeutendste und stärkste Schwefelquelle der Alpen ist. Die ersten Gäste reisten Anfang des 17. Jahrhunderts ins Bad Lenk.

Neben den schon bestehenden Gasthäusern wurde 1862 nach einer rund 20 jährigen Bauphase das erweiterte und umgebaute „Bad“ eröffnet. Damit verfügte Lenk über zeitgemässe Unterkünfte und Kureinrichtungen. Nach dem Dorfbrand 1878 begann eine grosse Auswanderung aus dem Dorf. Erst wieder im Jahr 1902, mit der Eröffnung der Spiez – Erlenbach – Zweisimmen-Bahn, gab es wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung. Mit der Gründung des Verkehrsvereins, des Skiclubs und der Musikgesellschaft 1903 begann dann der Sommer- wie auch der Wintertourismus an der Lenk zu wachsen.

Zeitreise

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Von den Höhlen im Hochgebirge bis zur ersten Kirchgemeinde

Die ersten Lenker lebten in der Jungsteinzeit in der Tierberghöhle zuoberst im Simmental. Drei Schichten Holzkohle und Asche in verschiedenen Tiefen deuten auf drei verschiedene, zeitlich auseinander liegende Benutzungsepochen der Höhle.

Im Mittelalter liessen sich die ersten Lenker-Bewohner an den sonnigen Hängen nieder, da sich die Ebene beim Dorf gelegentlich – bei Hochwasser und nach schweren Gewittern – in einen See verwandelte.

Später dann, in den Jahren 1504 und 1505, bauten die Lenker ihre eigene Kirche und bildeten eine eigene Kirchgemeinde. Darauf lässt sich wohl das Bevölkerungswachstum schliessen. Kardinal Matthäus Schiner soll die Lenker Kirche geweiht haben. Später leisteten nicht zuletzt auch die Lenker heftigen Widerstand gegen die Einführung der Reformation. 1529 dann die Kehrtwende der Lenker. Sie nahmen die Reformation an. Dies war Grund, weshalb die guten Beziehungen mit den katholischen Wallisern jenseits des Rawils sich in Feindschaften verwandelten.

Schnidi

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1000 Jahre älter als Ötzi

Archäologische Funde, die seit 2003 auf dem Schnidejoch im Wildhornmassiv an der Lenk aus dem Gletschereis aufgetaucht sind, haben sich als weit älter erwiesen als bisher angenommen.

Sie stammen aus der Zeit um 4500 vor Christus und sind damit mindestens tausend Jahre älter als die Gletschermumie Ötzi. Es handelt sich um prähistorische Kleidungsstücke aus Leder und Bast, ein Köcher und Pfeile, bronzene Gewandnadeln und römische Schuhnägel. Der lebensgrosse Schnidi steht derzeit im Tourist Center Lenk.