Interview mit dem Weltmeister & dreifachen Olympiasieger
Franjo von Allmen
GEERDET & ANGRIFFIG
Der 24-jährige, aus Boltigen im Simmental, ist Skirennfahrer mit Herzblut und auf die Disziplinen Abfahrt und Super-G spezialisiert.
Trotz seines kometenhaften Aufstiegs im Winter 2024/25 mit zwei Goldmedaillen in der Abfahrt und, zusammen mit Loïc Meillard, in der Team-Kombination, anlässlich der Ski-Weltmeisterschaft in Saalbach (AT), bleibt der gelernte Zimmermann stets besonnen und nahbar.
LST: Franjo, du hast mit deinen zwei Goldmedaillen an der WM 2025 für Furore gesorgt. Was ging dir in dem Moment durch den Kopf, als du realisiert hast, dass du Weltmeister in der Abfahrt bist?
Franjo: In dem Moment war es unglaublich schwer zu realisieren. Ich bin überhaupt nicht mit dem Ziel, Weltmeister zu werden, in die Saison gestartet. Für mich kam dies trotz guten Resultaten unerwartet. Das grosse und anhaltende Interesse der Medien, der Bevölkerung sowie von Sponsoren liessen mich aber schnell erahnen, dass ich etwas Grosses geschafft habe. Ich kann diesen Erfolg richtig einordnen. Es muss alles stimmen, um am Tag X die bestmögliche Leistung abzurufen.
LST: Du wirkst trotz deines Erfolgs immer freundlich und entspannt. Wie schaffst du es, bei all dem Trubel du selbst zu bleiben?
Franjo: Für mich ist wichtig, immer ich selbst zu bleiben. Im Simmental habe ich ein gutes Umfeld, bei welchem ich den nötigen Abstand zum Skisport gewinnen kann. Es geht immer um den Menschen. Ich bin einfach dankbar, das machen zu dürfen, was ich liebe. Dieses Privileg versuche ich mir in jedem Moment bewusst zu halten. Das hilft mir, entspannt und locker zu bleiben.
LST: Als gelernter Zimmermann bringst du eine Bodenhaftung mit, die man bei anderen Athleten teilweise vermisst. Welche Rolle spielt dabei deine Heimat für dich?
Franjo: Wenn ich nach einem Rennen nach Hause komme, treffe ich die gleichen Leute wie früher, und das gibt mir Bodenhaftung. Meine Wurzeln erinnern mich immer daran, woher ich komme. Entsprechend bedeutet mir meine Heimat sehr viel. Seien es ruhige Momente auf dem Jaunpass oder gemütliche Stunden mit Freunden.
LST: In deiner Fahrweise sieht man Mut und viel Gefühl für die Linie. Wie viel ist bei dir Instinkt und wie viel hartes Training?
Franjo: Der Instinkt ist etwas, das man zu gewissen Teilen mitgegeben bekommen hat und dann im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Dieses Gefühl für die Linie, für das richtige Timing. Aber ohne hartes Training hat man keine Chance. Entsprechend gehört beides zusammen. Es braucht viel
Arbeit, viele Wiederholungen, um das Vertrauen in das eigene Können aufzubauen, um dann auch mal während dem Rennen aus dem Bauch heraus zu entscheiden.
LST: Die Speed-Disziplinen gelten als besonders risikoreich. Was reizt dich besonders an der Abfahrt und wie gehst du mit dem Verletzungsrisiko um?
Franjo: Der Reiz ist der Mix aus Gefühl und Geschwindigkeit. Es braucht Präzision bei hohem Tempo. Verletzungsrisiko besteht immer, wo ein Helm getragen wird. Die Verletzungsprophylaxe sowie entsprechende Sicherheitsvorkehrungen sind wichtig und werden immer besser. Wir wollen den Sport so sicher wie möglich ausführen. Respekt vor der Aufgabe, aber keine Angst davor haben. Schlussendlich entscheidet jeder selbst, ob er dieses Risiko annimmt oder eben nicht.
LST: Man sagt, du seist für jeden Spass zu haben. Wie wichtig ist dir Humor im oft etwas ernsten Rennzirkus?
Franjo: Ich pflege immer zu sagen, alles beginnt mit dem Spass an der Sache. Ohne Spass geht es nicht, man verkrampft sich. Das nimmt den Druck raus und erinnert uns daran, dass wir am Ende des Tages einen Sport machen, der Freude bringen soll. Herzlichen Dank für das Interview und einen guten Start in die neue Saison!