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Video: Tagesanzeiger

Plaine Morte In eisigen Tiefen

Die Eisflächen der Plaine Morte

Der Plateau-Gletscher Plaine Morte liegt auf ca. 2800 m ü. M., eingebettet in den Talabschluss des Simmentals und vom Dorf Lenk aus sichtbar. Dieses riesige Eismeer umfasst eine Fläche von 7.32 km² (2016), das entspricht rund 1000 Fussballfeldern. Er ist 4.5 km lang, hat eine maximale Dicke von 235m und eine durchschnittliche Dicke von 96m (2005).

Vor tausenden Jahren war das ganze Simmental von Eis bedeckt. Heute ist leider nur noch wenig davon übrig. Trotzdem erscheinen die Eismassen für unsereins immer noch enorm. Unterhalb der Plaine Morte, auf ca. 2500 m ü. M., entspringt dem Gletscher der Trüebbach, welcher über mehrere Felswände hinunter auf den Rezliberg fliesst und sich dort mit den Sibe Brünne zur Simme vereint. Die Sibe Brünne und der Trübbach werden zum Teil durch unterirdische, durch den Felsen verlaufende Kanäle, mit Gletscherwasser der Plaine Morte gespiesen.

Aussicht auf den Gletscher und das Gletscherhorn

Die Faszination des grössten Plateau-Gletschers der Alpen

Der Plaine Morte-Gletscher ist der grösste Plateau-Gletscher der Alpen, weshalb sich viele Forscher sehr dafür interessieren. Auch wenn die weisse Fläche eher monoton erscheint, trügt der Schein. Im Inneren des Gletschers befindet sich ein Labyrinth von Kanälen, durch das sich das Wasser einen Weg durch den Gletscher frisst. Diese faszinierende Unterwelt konnten Fred Bétrisey und Hervé Krummenacher in Begleitung des Journalisten Dominik Osswald Anfang Winter 2016 erkunden. Dabei sind unglaubliche Bilder vom Inneren des Gletschers entstanden. Der Film im Header wurde vom Journalist Dominik Osswald produziert. Lassen Sie sich in die Tiefen des Gletschers ein und lesen den Artikel im Tagesanzeiger: Tagesanzeiger in eisigen Tiefen

Sonnenaufgang von der Plaine Morte aus

Der Favergesee und das Hochwasser

Der Klimawandel macht auch vor dem Plaine Morte Gletscher keinen Halt. Wenn die Temperaturen im Sommer steigen, schmilzt leider auch dieser Gletscher. Durch die intensive Gletscherschmelze der letzten Jahre haben sich vom Schmelzwasser kleinere und grössere Seen rund um die riesige Eisfläche gebildet. So auch der Favergesee, welcher sich direkt am Rand und zum Teil auf dem Gletscher befindet.

Der See füllt sich jeweils über den Sommer mit Schmelzwasser. Wenn ein gewisser Pegel erreicht ist, frisst sich das Wasser riesige Kanalsysteme aus dem Gletscher und entleert auf diese Weise unterirdisch den See. Dies führt zu einem schnellen Pegelanstieg der Simme, was sich wiederum zur Gefahr für das Dorf Lenk entwickelt. Nach der ersten Entleerung 2011, wurde deshalb ein Frühwarnsystem eingerichtet, um die Bevölkerung über die drohenden Wassermassen rechtzeitig zu informieren. Das plötzliche Auslaufen des Favergesees hat speziell im Sommer 2018 den Bachlauf der Simme überfordert, wobei es in Teilen der Lenk zu Hochwasser kam. Wiesen wurden überflutet und Keller und Garagen standen unter Wasser.

Nach diesem Ereignis wurden im Frühling und Sommer 2019 Sicherheitsvorkehrungen auf dem Gletscher getroffen, um die Sicherheit für das Dorf zu erhöhen. Die Entwicklung der Sicherheitsmassnahmen war ein grosses, neuartiges Projekt und eine absolut neue Erfahrung für alle Beteiligten. Durch die Einzigartigkeit des Projekts interessierten sich verschiedentlich Forscher dafür.

Favergesee

Einzigartiges Projekt

Vom Rezliberg bis zu den Simmenfällen wurde rechts und links der Simmeder Wald abgeholzt, um bei Hochwasser das Mitreissen der Bäume zu verhindern. Auf dem Gletscher selbst, wurde stellenweise mit Pistenfahrzeugen, der meterhohe Schnee vom Gletschereis geräumt und mit einem Schreitbagger ein 800m langer Kanal ins Eis gegraben. Dieses abenteuerliche Projekt führt dazu, dass der Favergesee einen weniger hohen Pegel erreicht und sich der See früher und weniger schnell entleert. In den letzten Jahren konnte das Schmelzwasser so kontrolliert abfliessen und entspannte die Situation für die Einwohner.

Das Schweizer Fernsehen SRF hat dazu eine eindrückliche Dokumentation mit Hintergründen zum Projekt verfilmt: Doku SRF Einstein

Informationen zum Projekt auf dem Gletscher sind auf der Webseite des Ingenieurbüro Theiler zu finden: Theiler Ingenieure AG

Der lokale Bergliebhaber Hans-Ueli Hählen war während 9 Jahren zuständig für die Überwachungsstation auf der Plaine Morte und begleitete zudem die Bauarbeiten eng mit. In seinem Buch «Plaine Morte und ihre Gletscherseen» schreibt er von seinen Erfahrungen um die Vermessungen und Untersuchungen des Favergesees und des Gletschers.

Dem Gletscher nahe

Bergwege führen von der Lenk aus in die Nähe des Plaine Morte Gletschers. Von den Simmenfällen auf den Wildstrubel (ab Fluehsee kein offizieller Wanderweg) oder von der Iffigenalp auf die Wildstrubelhütte, ist der Gletscher zum Greifen nah. Die Plaine Morte mit eigenen Augen von so Nahe zu betrachten ist ein gewaltiges Erlebnis. Auch eine Überschreitung des Gletschers ist möglich, aber Vorsicht – auf Gletschern herrschen alpine Gefahren. Auch wenn der flache Gletscher für Berggänger nicht unbedingt gefährlich aussieht, täuscht der äussere Eindruck. Gletscher sind stetig in Bewegung, Gletscherspalten öffnen und schliessen sich laufend. Schneebrücken können stabil aussehen aber gefährlich dünn sein. Mit einem Bergführer können Sie dem Gletscher ganz nah sein und diesen überqueren – Ein Erlebnis, dass nie vergessen geht!